Cybersecurity

🔄 🔄 Software-Updates: Warum «Später erinnern» deine grösste Sicherheitslücke ist

Florian Muff · 3. Juni 2026 · 5 Min. Lesezeit

Die LĂĽcke zwischen Update und Installation

Stell dir vor, du erfährst, dass deine Haustür einen Defekt hat und jeder mit einem einfachen Trick reinkommt. Der Hersteller schickt dir kostenlos ein neues Schloss. Würdest du es sofort einbauen? Vermutlich ja.

Bei Software machen wir genau das Gegenteil. Wenn Microsoft, Apple oder Adobe ein Sicherheitsupdate veröffentlichen, bedeutet das: Es gibt eine bekannte Schwachstelle. Ab dem Moment, wo das Update verfügbar ist, wissen auch Angreifer davon. Sie analysieren das Update, verstehen die Lücke und bauen automatisierte Tools, die genau diese Schwachstelle ausnutzen.

Das Zeitfenster zwischen Update-Veröffentlichung und Installation ist deine Angriffsfläche. Je länger du wartest, desto grösser die Chance, dass jemand diese Lücke bei dir ausnutzt.

Wie schnell werden LĂĽcken ausgenutzt?

Die Zahlen sind ernüchternd. Laut einer Studie von Mandiant werden kritische Schwachstellen im Durchschnitt innerhalb von 7 Tagen aktiv angegriffen, nachdem das Update verfügbar ist. Bei populärer Software wie Windows oder Chrome oft schon nach 2-3 Tagen.

Ein konkretes Beispiel aus der Schweiz: 2024 wurden mehrere KMU Opfer von Ransomware-Angriffen über eine bekannte Microsoft Exchange-Lücke. Das Update war seit Monaten verfügbar. Die Unternehmen hatten es aus Angst vor Kompatibilitätsproblemen verschoben.

Angreifer scannen das Internet automatisiert nach Systemen mit veralteter Software. Dein einzelner Computer ist dabei nicht das Ziel, sondern einer von Tausenden in einem automatisierten Angriff. Du musst nicht wichtig sein, um angegriffen zu werden, nur verwundbar.

Warum wir Updates verschieben

Die GrĂĽnde sind nachvollziehbar:

Diese Bedenken sind berechtigt. Tatsächlich können Updates selten Probleme verursachen. Aber das Risiko eines erfolgreichen Angriffs durch eine ungepatchte Lücke ist statistisch um ein Vielfaches höher als das Risiko eines fehlerhaften Updates.

Die meisten Updates laufen heute problemlos durch. Grosse Hersteller testen intensiv. Und selbst wenn etwas schiefgeht, gibt es meist einen schnellen Fix oder eine Rollback-Option.

Welche Updates sind wirklich kritisch?

Nicht alle Updates sind gleich dringend. Hier die Prioritäten:

Höchste Priorität (sofort installieren):

Hohe Priorität (innerhalb 2-3 Tagen):

Mittlere Priorität (innerhalb einer Woche):

Niedrige Priorität:

Als Faustregel: Alles, was mit dem Internet kommuniziert, sollte aktuell sein.

So automatisierst du Updates ohne Stress

Der beste Schutz ist, Updates gar nicht erst manuell bestätigen zu müssen.

Windows:

macOS:

Smartphones:

Browser:

Weitere Software:

Der Update-Rhythmus fĂĽr Profis

Wenn du Kontrolle behalten möchtest, ohne Sicherheit zu opfern, empfehle ich diesen Rhythmus:

Täglich (automatisch):

Wöchentlich (10 Min. am Montag):

Monatlich (20 Min.):

Dieser Rhythmus ist realistisch und hält dein System aktuell, ohne dass du ständig unterbrochen wirst.

Spezialfall: Updates in Unternehmen

In Firmen ist die Situation komplexer. Hier gibt es oft Abhängigkeiten zwischen Systemen, und ein fehlerhaftes Update kann Produktionsausfälle verursachen.

Trotzdem ist "Wir warten ab, bis andere getestet haben" keine Strategie. Besser:

Schweizer KMU können sich beim National Cyber Security Centre (NCSC) informieren oder externe Partner wie SignalFisher beiziehen, um einen passenden Update-Prozess aufzusetzen.

Der unterschätzte Router

Ein Gerät wird besonders oft vergessen: dein Router. Er ist das Tor zu deinem Heimnetzwerk und wird selten aktualisiert.

So checkst du deinen Router:

Viele moderne Router von Swisscom, Sunrise oder Salt haben heute automatische Updates. Bei älteren Modellen musst du manuell prüfen. Ein veralteter Router ist ein beliebtes Einfallstor für Angriffe auf dein gesamtes Heimnetzwerk.

Die drei wichtigsten Mitnahmen

Das nächste Mal, wenn du auf "Später erinnern" klickst, denk daran: Angreifer erinnern dich nicht. Sie schlagen zu, wenn du verwundbar bist.

Florian Muff
Head of Customer Success bei SignalFisher, CyberSeal Lead Auditor und im Vorstand der Allianz Digitale Sicherheit Schweiz. Schreibt jeden Mittwoch ĂĽber Cybersecurity: praxisnah und ohne Fachjargon.

Kostenlose Vorlagen fĂĽr dein Unternehmen

Druckfertige Cybersecurity-Checklisten und Notfallpläne: gratis, sofort verwendbar.

Vorlagen herunterladen →